Internet 01.05.2010 21:33

Sind Zwangsmaßnahmen wirklich notwendig?

Noch immer sieht sich die Software-Industrie völlig wehrlos den zahllosen Raubkopierern weltweit gegenüber. Fassungslos muß die Branche den verloren Millionen-Umsätzen jedes Jahr nachtrauern. Natürlich versuchen die Anbieter mit immer neuen Methoden die ausweglose Situation in den Griff zu bekommen. Daher lassen die Verantwortlichen im Kampf gegen den Software-Klau nichts unversucht, dem ungesetzlichen Treiben an den heimischen Rechnern beizukommen.

Das neueste Kapitel im Kampf gegen den namenlosen Feind heißt Registrierungszwang. So sind Kunden von mehreren Software-Unternehmen seit einiger Zeit gezwungen, vor dem ersten Mausklick ihre persönlichen Daten dem Hersteller mitzuteilen. Erst dann erfolgt die Freischaltung und die Arbeit am Rechner kann beginnen. Ohne diese Registrierung startet die Software erst gar nicht oder ihr fehlen wesentliche Funktionen.

Die neue Form des Kopierschutzes soll nun die erhoffte Lösung aller Probleme bringen. Doch auch hier haben die Software-Produzenten die Rechnung ohne die Raubkopierer gemacht. Noch kein Kopierschutz konnte dem Einfallsreichtum der ambitionierten Hacker-Szene lange widerstehen. Genügend Beispiele gibt es aus dem Bereich der Computerspiele. Bereits wenige Tage nach dem Erscheinen eines Titels, sind die ersten geknackten Versionen im Umlauf. In Einzelfällen waren sogar beiden Versionen zeitgleich verfügbar. Ein Lösung ist daher noch in weiter Ferne.

Doch auch ohne kriminellen Hintergedanken wird die neue Form des Kopierschutzes umgangen. So tauschen im normalen, privaten Umfeld oder sogar am Arbeitsplatz die Nutzer die frei geschalteten Versionen einfach untereinander aus. Oft verstärkt sogar noch das Vorhandensein eines Schutzmechanismus den Reiz der Weitergabe.

Bei aller Vorsicht der Softwarehäuser, vergessen diese in ihrem blinden Aktivismus die Vielzahl der ehrlichen Käufer. Denn wer das Produkt ordnungsgemäß im Handel erworben hat, muß erst mit zusätzlichem Aufwand dafür sorgen, daß die teuere Software auf dem eigenen Rechner hochfährt. Nicht selten liegen dann mehrere Tage zwischen Kauf und erstem Einsatz. Für den Anwender völlig indiskutabel.

Zudem wird der Kunde gezwungen, persönliche Daten notgedrungen dem Unternehmen zu überlassen. Im schlimmsten Fall erstellt die Marketingabteilung daraus ein persönliches Profil, das für ungewollte, werbliche Ansprachen mißbraucht wird. Eine Flut von unaufgeforderten Angeboten und Werbebriefen wäre die Folge. Eine Prüfung der rechtlichen Seite dieser Form der Vereitelung von Raubkopien ist daher zwingend erforderlich.

In den letzten Jahren sind schon viele Versuche, die strafrechtliche Weitergabe von Computerprogrammen zu unterbinden, kläglich im Sande verlaufen. Auch der Weg der Zwangsregistrierung ist zum Scheitern verurteilt, denn professionelle Hacker wird sie nicht aufhalten, folglich dämmt diese Methode die Umsatzverluste nicht ein. Vielmehr sollte die Branche zwischen Einbußen durch unrechtes Kopieren und Umsatzrückgängen durch abwandernde Kundschaft abwägen. Denn in der Vergangenheit griff der genervte Kunde im Zweifelsfall lieber zum einfachen Konkurrenzprodukt als zum komplizierten Kopierschutz. Einen lachenden Dritten gibt es trotz allem. Der Mitbewerb reibt sich bereits die Hände.

Wilfred Lindo